Oberfläche vor dem Beschichten richtig vorbereiten
Drei Anforderungen an den Untergrund
Ob eine Korrosionsschutzbeschichtung viele Jahre hält oder früh abblättert, entscheidet sich oft vor dem ersten Pinselstrich. Der Untergrund muss drei Bedingungen erfüllen:
- Reinheit: Rost, Walzhaut, Altbeschichtungen, Öl, Fett, Staub und Salze sind entfernt.
- Rauheit: Die Oberfläche hat ein Profil, in dem die Beschichtung sich verankern kann.
- Trockenheit: Auf der Fläche liegt keine Feuchtigkeit, auch kein unsichtbarer Kondensfilm.
Die Normenreihe DIN EN ISO 12944 regelt den Korrosionsschutz von Stahlbauten durch Beschichtungssysteme, ihr Teil 4 behandelt die Oberflächenvorbereitung. Die konkreten Anforderungen stehen in der Leistungsbeschreibung und im Datenblatt des Beschichtungsstoffs.
Reinheit: sichtbar und unsichtbar
Die sichtbare Reinheit wird nach DIN EN ISO 8501-1 durch Sichtvergleich mit fotografischen Beispielen beurteilt. Für den Erstschutz von Stahl gilt nach der Richtlinie von bauforumstahl Sa 2½ als Mindestgrad, sofern nichts anderes vereinbart ist. Was die Grade Sa 1 bis Sa 3 bedeuten, erklärt unser Beitrag Stahl entrosten durch Sandstrahlen.
Unsichtbar bleiben Staub und Salze. Für stärker belastete Beschichtungen hält bauforumstahl eine Prüfung auf lösliche Salze nach DIN EN ISO 8502 für zweckmäßig. Die ZTV-ING für Ingenieurbauten des Bundes schreiben zum Beispiel Staubtests nach DIN EN ISO 8502-3 vor und begrenzen die Salzbelastung vor dem Beschichten auf 80 mg/m². Öl und Fett werden nach DIN EN ISO 12944-4 nicht durch Strahlen, sondern durch Reinigen mit Wasser, Dampfstrahlen, Emulsionen oder alkalischen Reinigern entfernt.
Rauheit: fein, mittel, grob
Die Rauheit gestrahlter Stahlflächen wird nach DIN EN ISO 8503 mit Vergleichsmustern beurteilt, die man sehen und ertasten kann. Unterschieden wird zwischen kantigem Strahlmittel (Grit, G) und rundem Strahlmittel (Shot, S). Die Richtlinie BFS-RL 02-102 nennt folgende Nennwerte der Vergleichsmuster:
| Segment | Grit (kantig) | Shot (rund) |
|---|---|---|
| 1 | 25 µm | 25 µm |
| 2 | 60 µm | 40 µm |
| 3 | 100 µm | 70 µm |
| 4 | 150 µm | 100 µm |
Die Rauheitsgrade „fein“, „mittel“ und „grob“ liegen jeweils zwischen zwei Segmenten: fein zwischen 1 und 2, mittel zwischen 2 und 3, grob zwischen 3 und 4.
Für die Haftung von Beschichtungssystemen gelten mittlere Rauheitsgrade mit kantigem Strahlmittel, also „mittel (G)“, als am besten geeignet. Die ZTV-ING verlangen ebenfalls mindestens mittel (G). Welche Rauheit das gewählte System braucht, steht im Datenblatt des Beschichtungsstoffs.
Zeitnah weiterarbeiten: Flugrost und Taupunkt
Frisch gestrahlter Stahl ist blank und reagiert mit Feuchtigkeit. Die Richtlinie von bauforumstahl empfiehlt deshalb, den Zeitpunkt der Oberflächenvorbereitung so zu wählen, dass der geforderte Grad unmittelbar vor der Beschichtung vorliegt. Als Flugrost bezeichnet man einen dünnen Rostschleier, der sich auf gestrahltem Stahl rasch bilden kann, etwa nach Nassstrahlen. Die ZTV-ING verlangen in diesem Fall ein trockenes Nachstrahlen.
Wichtig ist außerdem der Taupunkt, also die Temperatur, bei der Luftfeuchtigkeit kondensiert. Liegt die Stahloberfläche zu nah daran, bildet sich ein Feuchtefilm. Die ZTV-ING fordern während der Beschichtungsarbeiten einen Sicherheitsabstand von mindestens 3 K zwischen Objekttemperatur und Taupunkttemperatur der umgebenden Luft. Bei Außenarbeiten im Herbst und Winter kann das den Zeitplan bestimmen.
Wer was festlegt
Strahlen und Beschichten werden oft von unterschiedlichen Betrieben ausgeführt. Damit die Übergabe funktioniert, sollten vorher feststehen:
- geforderter Vorbereitungsgrad und Rauheit laut Beschichtungssystem
- Prüfungen an der Schnittstelle, zum Beispiel Sichtvergleich, Staub- oder Salztest
- Zeitfenster zwischen Strahlen und Grundbeschichtung
- Witterungsgrenzen und Schutz der gestrahlten Fläche, etwa Abplanung
- wer das Strahlgut entfernt und die Fläche staubfrei übergibt
Sonderfall verzinkter Stahl
Feuerverzinkte Flächen werden vor dem Beschichten nicht blank gestrahlt, sondern sweepgestrahlt, also leicht angeraut. Bewährte Parameter laut bauforumstahl sind etwa nichtmetallische Strahlmittel mit 0,25 bis 0,50 mm Korngröße, 2,5 bis 3,0 bar Düsendruck und ein flacher Strahlwinkel unter 30°. Danach soll die Oberfläche einheitlich matt aussehen.
Häufige Fragen
Wie lange darf zwischen Strahlen und Grundieren liegen?
Eine feste Frist nennen die herangezogenen Regelwerke nicht. Maßgeblich ist, dass der geforderte Vorbereitungsgrad unmittelbar vor der Beschichtung noch vorliegt. Das hängt von Witterung, Luftfeuchte und Schutz der Fläche ab.
Was ist Flugrost?
Ein dünner Rostschleier, der sich auf frisch gestrahltem, blankem Stahl bilden kann, besonders bei Feuchtigkeit oder nach Nassstrahlen. Er muss vor dem Beschichten entfernt werden, etwa durch trockenes Nachstrahlen.
Warum reicht es nicht, nur den Rost abzubürsten?
Bürsten und Schleifen erreichen die Grade St 2 oder St 3. Viele Beschichtungssysteme verlangen dagegen Sa 2½ und eine definierte Rauheit, die durch Strahlen hergestellt wird.
Übernimmt Thermapack auch die Beschichtung?
Lackierung und Korrosionsschutz sind nur Bestandteil des Auftrags, wenn das ausdrücklich vereinbart ist. Teilen Sie uns die Anforderungen Ihres Beschichters mit, dann stimmen wir die Vorbereitung darauf ab.
Strahlen als Vorbereitung für Ihre Beschichtung
Thermapack führt mobiles Sandstrahlen zur Oberflächenvorbereitung vor Lackierung, Pulverbeschichtung oder Korrosionsschutz direkt vor Ort aus – mit Strahlmittel passend zu Material und geforderter Rauheit, auch an großen und schweren Bauteilen. Damit Strahlen und Beschichten zusammenpassen, brauchen wir vorab den geforderten Vorbereitungsgrad, die Rauheit und den geplanten Beschichtungstermin. Welche Punkte für den Einsatz vor Ort zu klären sind, zeigt die Checkliste für den mobilen Strahleinsatz.
Weiterlesen im Ratgeber
- Sandstrahlen: Staub und Rückstände richtig handhaben
- Brandschaden mit Trockeneis reinigen: Ablauf und Grenzen
- Entlacken: alte Beschichtungen sicher entfernen
Quellen
- bauforumstahl, Richtlinie BFS-RL 02-102 „Korrosionsschutz von tragenden Stahlbauteilen durch Beschichtungssysteme in atmosphärischen Umgebungsbedingungen“ (August 2020)
- bauforumstahl, Stahlbau Arbeitshilfe 1.2 „Oberflächenvorbereitung – Korrosionsschutz“ (5. überarb. Auflage 11/01)
- BMDV, ZTV-ING Teil 4 Abschnitt 3 „Korrosionsschutz von Stahlbauten“ (Stand 2024/08), notifizierte Fassung im EU-TRIS
- DIN Media, DIN EN ISO 8501-1 Entwurf 2026-01 (Titel und Anwendungsbereich)
Stand: Oktober 2026. Angaben ohne Gewähr; maßgeblich sind die jeweils aktuellen Vorschriften.