Trockeneis im Labor: Proben kühlen und versenden
Wofür Trockeneis im Labor genutzt wird
Trockeneis ist festes Kohlendioxid (CO₂), das unter Normaldruck ab −78,5 °C direkt in Gas übergeht. Damit eignet es sich, um Proben, Reagenzien oder Zellmaterial kurzfristig tiefgefroren zu halten, etwa beim Umsetzen zwischen Geräten, bei Ausfällen von Tiefkühlgeräten oder beim Versand. Die DGUV Information 213-115 nennt neben Laboratorien auch das Gesundheitswesen, zum Beispiel den Transport von Impfseren, als Einsatzbereich.
Die DGUV weist zugleich darauf hin, dass sich Tätigkeiten mit Trockeneis teilweise durch Laborkryostaten ersetzen lassen. Für dauerhafte Kühlung im Labor ist Trockeneis also nicht unbedingt die erste Wahl.
Sicher arbeiten: die Regeln aus Hochschul-Richtlinien
Viele Hochschulen haben eigene Betriebsanweisungen für Trockeneis. Die Kernpunkte decken sich weitgehend:
- Einweisung: Die Betriebsanweisung der Universität Bielefeld erlaubt den Umgang mit Trockeneis nur nach erfolgter Einweisung.
- Schutzausrüstung: Schutzbrille oder Gesichtsschutz und für tiefe Temperaturen geeignete Schutzhandschuhe. Die University of Pittsburgh weist darauf hin, dass Nitril- oder Latexhandschuhe nicht ausreichen, und empfiehlt Zangen oder Schaufeln.
- Drucklos lagern: Trockeneis nur in Behältern ohne gasdichten Verschluss aufbewahren; geschlossene (Glas-)Gefäße sind nicht zulässig, weil sie bersten können (Universität Bielefeld).
- Belüftung: In geschlossenen Räumen auf gute Durchlüftung achten. Die University of Washington rät ausdrücklich davon ab, Trockeneis in Kühlräumen, begehbaren Kühlzellen oder Klimakammern zu lagern.
- Kunststoffe: Kontakt mit Trockeneis kann Kunststoffteile verspröden lassen (Universität Bielefeld).
Hintergrund ist die große Gasmenge: Aus 1 kg Trockeneis entstehen laut DGUV über 500 Liter CO₂. Der Arbeitsplatzgrenzwert für CO₂ liegt nach TRGS 900 bei 5.000 ppm (0,5 Vol.-%).
Proben richtig verpacken
Für den Versand tiefgefrorener Proben beschreibt die Leitlinie der US-Gesundheitsbehörde CDC ein bewährtes Schema:
- Proben vor dem Verpacken auf die erforderliche Temperatur einfrieren.
- Die verschlossene Sekundärverpackung von allen Seiten mit Trockeneis umgeben – das verlängert laut CDC die Zeit, in der die Probe gefroren bleibt.
- Trockeneis nicht direkt an das Primärgefäß legen und nicht als Polstermaterial verwenden, weil es während des Transports verschwindet.
- Als Außenbehälter eine Styroporbox mit mindestens etwa 5 cm (zwei Zoll) Wandstärke verwenden.
Die Menge richtet sich nach der Transportdauer. Wie schnell Trockeneis in der Isolierbox in Gas übergeht, hängt von Box, Menge, Form und Außentemperatur ab. Arbeitsschutzstellen von Universitäten nennen für eine übliche Isolierbox rund 2,3 bis 4,5 kg pro Tag. Bei kleinen Mengen ist der Anteil entsprechend hoch – planen Sie Reserve ein. Wie Sie daraus eine Menge ableiten, zeigt der Ratgeber Wie viel Trockeneis brauche ich für den Versand?
Versand: Gefahrgut – Details mit Fachleuten klären
Trockeneis ist im Gefahrgutrecht als UN 1845 „Kohlendioxid, fest“ eingestuft. Die Universität Freiburg weist in ihrer Versandinformation darauf hin, dass Versandstücke mit Trockeneis als Kühlmittel entsprechend gekennzeichnet werden müssen. Zusätzlich muss geprüft werden, ob die Probe selbst Gefahrgut ist – etwa anhand von Abschnitt 14 des Sicherheitsdatenblatts. Ist das der Fall, gelten weitere Vorschriften für Kennzeichnung, Verpackung und Begleitpapiere. Für Luftfracht gelten eigene Regeln.
Weil sich die Bedingungen von Paketdiensten und Regelwerken ändern, geben wir hier bewusst keine Packanleitung für den Gefahrgutversand. Klären Sie vor dem ersten Versand:
- mit dem Gefahrgutbeauftragten oder der Sicherheitsabteilung Ihrer Einrichtung, wie Probe und Kühlmittel einzustufen sind,
- mit Ihrem Paket- oder Kurierdienst, ob und unter welchen Bedingungen er Sendungen mit Trockeneis annimmt,
- ob die Beteiligten unterwiesen sein müssen.
Transport zwischen Standorten
Für Laborkurierdienste beschreibt die DGUV einen eng gefassten Sonderfall: Kleine Mengen Trockeneis (höchstens 5 kg in einer geeigneten kleinen Isolierbox) dürfen unter strengen Bedingungen auch in Fahrzeugen ohne Trennung von Fahrer- und Laderaum befördert werden – aber nur, wenn weder ein solches Fahrzeug noch eine andere Kühlmethode verfügbar ist, und mit ständiger Lüftung. Grundsätzlich gelten handelsübliche Pkw laut DGUV als ungeeignet. Mehr dazu im Ratgeber Trockeneis im Auto transportieren.
Häufige Fragen
Darf Trockeneis in den Laborkühlschrank oder Gefrierschrank?
Nein. Hochschul-Richtlinien raten davon ab, weil die Geräte weitgehend dicht sind und sich CO₂ im Innenraum sammelt. Außerdem ist ein Gefrierschrank deutlich wärmer als Trockeneis, das dort weiter sublimiert. Besser ist eine nicht gasdicht schließende Isolierbox in einem gut belüfteten Raum.
Welche Trockeneisgröße eignet sich für Proben?
Feine Pellets (3 mm) legen sich gut um Probenröhrchen und Sekundärverpackungen. Größere Nuggets sublimieren langsamer und eignen sich für längere Transporte. Einen Vergleich finden Sie im Ratgeber „Pellets 3 mm oder Nuggets 16 mm“.
Wie lange bleiben Proben mit Trockeneis gefroren?
Das hängt von Box, Trockeneismenge, Umgebungstemperatur und Häufigkeit des Öffnens ab. Planen Sie mit Reserve und prüfen Sie Ihre Verpackung im Zweifel mit einem Testversand mit Temperaturlogger.
Muss ich für eine Sendung mit Trockeneis einen Gefahrgutbeauftragten fragen?
Für Einrichtungen, die regelmäßig Proben versenden, ist das der richtige Weg. Ob die Probe selbst Gefahrgut ist und welche Kennzeichnung nötig ist, hängt vom Einzelfall und vom Verkehrsträger ab; das klären Gefahrgutbeauftragte und der jeweilige Paketdienst.
Trockeneis für Labore und Probenversand
Thermapack liefert frisch produzierte Trockeneis-Pellets 3 mm, die auch für den Laboreinsatz und den Kühlversand gedacht sind, in 5 bis 25 kg. Passende Boxen für den Versand finden Sie bei den Isolierverpackungen. Für regelmäßige Lieferungen an Ihr Labor sprechen Sie uns über die Kontaktseite an.
Weiterlesen im Ratgeber
- Ist Trockeneis gefährlich? Kälte, CO₂ und Schutz
- Trockeneis bestellen: Mengen, Lieferung, Lagerung
- Trockeneis entsorgen: Was mit Resten passiert
Quellen
- DGUV Information 213-115 „Tätigkeiten mit Trockeneis – Herstellung, Lagerung und Verwendung“ (Juni 2023) (abgerufen 13.10.2026)
- Universität Bielefeld – Betriebsanweisung Trockeneis gem. § 14 GefStoffV (Stand 10.08.2017) (abgerufen 13.10.2026)
- University of Pittsburgh EH&S Guideline 04-036 „Dry Ice Safety“ (gültig ab 21.01.2021) (abgerufen 13.10.2026)
- University of Washington EH&S – Dry Ice Safety (Merkblatt) (abgerufen 13.10.2026)
- Florida International University EHS – Guidelines for Safe Storage, Use and Handling of Dry Ice (Rev. 08/2019) (abgerufen 13.10.2026)
- CDC – Specimen Packing and Shipping Guidance, Infectious Diseases Laboratories (abgerufen 13.10.2026)
- Universität Freiburg, Stabsstelle Sicherheit, Umwelt und Nachhaltigkeit – Information zum Trockeneisversand auf der Straße (2023) (abgerufen 13.10.2026)
- Thermapack – Trockeneis-Pellets 3 mm (Produktseite) (abgerufen 13.10.2026)
- University of Rochester, Environmental Health & Safety – Dry Ice (Merkblatt) (abgerufen 15.10.2026)
- East Carolina University, Office of Environmental Health and Safety – Dry Ice (abgerufen 15.10.2026)
Stand: Oktober 2026. Angaben ohne Gewähr; maßgeblich sind die jeweils aktuellen Vorschriften.