Trockeneis im Auto transportieren: Risiken und Alternativen
Warum Trockeneis im Auto ein Problem ist
Trockeneis ist festes Kohlendioxid (CO₂) mit einer Temperatur von etwa −78,5 °C. Es geht ohne flüssige Phase direkt in Gas über; diesen Vorgang nennt man Sublimation. Laut DGUV Information 213-115 entstehen aus 1 kg Trockeneis über 500 Liter gasförmiges CO₂. Das Gas ist farblos, geruchlos und rund 1,5-mal schwerer als Luft. Sie bemerken also nicht, wenn sich die Konzentration im Innenraum erhöht.
Ein Auto ist ein kleiner, weitgehend geschlossener Raum. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) nennt genau diese Kombination als Risikofaktor: Je größer die Trockeneismenge und je kleiner und schlechter belüftet der Raum – ausdrücklich genannt wird das Kfz –, desto stärker steigt die CO₂-Konzentration. Oberhalb von etwa 2 % CO₂ in der Atemluft können laut BfR unter anderem Kopfschmerzen, Schwindel, Atemnot und Herzrasen auftreten; oberhalb von etwa 8 bis 10 % drohen Bewusstlosigkeit und Tod durch Ersticken innerhalb weniger Minuten.
Was die DGUV zu Pkw sagt
Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) ist in ihrer Information 213-115 eindeutig: Handelsübliche Pkw können das Eindringen von CO₂ aus dem Lade- oder Kofferraum in den Fahrgastraum in der Regel nicht verhindern und sind deshalb nicht für den Transport von Behältern mit Trockeneis geeignet. Das betrifft ausdrücklich auch Kombi- und Kastenfahrzeuge, SUV und Kleintransporter mit Durchgang zwischen Fahrerhaus und Laderaum.
Als geeignet nennt die DGUV Fahrzeuge, bei denen Fahrerhaus und Laderaum baulich getrennt sind, etwa Transporter oder Lkw mit separatem Kofferaufbau. Auch dann gilt: Trockeneis nie im Fahrerhaus transportieren, erst unmittelbar vor Fahrtantritt laden, die Fahrtzeit kurz halten und den Laderaum vor dem Entladen gut lüften.
Was in der Praxis passiert ist
Das BfR hat 2020 Vergiftungsfälle mit Trockeneis ausgewertet. Unter den Hauptrisiken führt es ausdrücklich den „Transport von Trockeneis im Fahrgastraum“ auf. Zwei Beispiele aus der Stellungnahme:
- Dem BfR wurde 2018 ein Fall gemeldet, in dem ein Erwachsener beim Transport von Trockeneis im Auto Schwindel bekam; der Verlauf war leicht.
- Unter den Quellen, die das BfR für Todesfälle im Zusammenhang mit Trockeneis anführt, ist ein Bericht aus den USA (2018) über zwei Frauen, die in einem Auto mit Trockeneis erstickten.
Eine Abfrage bei den deutschen Giftinformationszentren ergab laut BfR für 2013 bis 2019 insgesamt 53 Fallberichte zu Trockeneis, davon 31 aus dem privaten Bereich. Die meisten verliefen leicht, es gab aber auch einen tödlichen und einen schweren Fall.
Der Sonderfall für Laborkuriere ist keine allgemeine Freigabe
Die DGUV beschreibt einen eng gefassten Sonderfall: Kleine Mengen Trockeneis dürfen unter bestimmten Bedingungen auch in einem Fahrzeug ohne Trennwand befördert werden – etwa durch Laborkurierdienste, die medizinische Proben kühlen. Voraussetzung ist unter anderem, dass weder ein Fahrzeug mit getrenntem Laderaum noch eine andere Kühlmethode zur Verfügung steht, dass höchstens 5 kg Trockeneis in einer kleinen, geprüften Isolierbox transportiert werden und dass während der gesamten Fahrt gelüftet wird. Grundlage ist eine Messreihe mit genau diesen Randbedingungen.
Dieser Sonderfall richtet sich an Betriebe, die ihn im Rahmen ihrer Gefährdungsbeurteilung prüfen. Er ist keine Erlaubnis, größere Mengen Trockeneis im Privatwagen zu fahren. Die Grundregel der DGUV bleibt: Normale Pkw sind ungeeignet.
Die besseren Alternativen
In den meisten Fällen lässt sich der Transport im eigenen Auto vermeiden:
- Liefern lassen: Lassen Sie das Trockeneis direkt an den Ort liefern, an dem es gebraucht wird – an den Betrieb, das Labor oder die Veranstaltungsstätte. So entfällt die Fahrt im Fahrgastraum vollständig. Bei Thermapack ist eine Lieferung zum Wunschtermin nach Absprache möglich.
- Abholung nur mit geeignetem Fahrzeug: Thermapack bietet nach Absprache auch die Abholung in Wiesmoor an. Planen Sie dafür ein Fahrzeug mit baulich getrenntem Laderaum und guter Belüftung ein – ein normaler Pkw ist laut DGUV ungeeignet.
- Kühlakkus statt Trockeneis: Muss Ware nur gekühlt und nicht tiefgekühlt bleiben, reichen oft vorgefrorene Kühlakkus. Auch die DGUV weist darauf hin, dass Sendungen mit anderen Kälteträgern gekühlt werden können, zum Beispiel mit Eis oder Kältespeicherplatten. Mehr dazu im Ratgeber Trockeneis oder Kühlakku.
- Geeignetes Fahrzeug: Betriebe, die regelmäßig Trockeneis befördern, sollten Fahrzeuge mit gasdicht getrenntem Laderaum einsetzen und den Transport in ihrer Gefährdungsbeurteilung regeln.
- Menge passend planen: Je weniger Trockeneis bewegt werden muss, desto geringer das Risiko. Bestellen Sie deshalb nur die Menge, die Sie tatsächlich brauchen.
Nicht im Auto lagern
Ein abgestelltes Auto ist kein Lagerort für Trockeneis – weder im Kofferraum noch im Innenraum. Auch die DGUV verlangt, Restmengen unmittelbar nach Ende der Fahrt aus dem Fahrzeug zu entfernen. Wie Sie Trockeneis bis zum Einsatz sicher aufbewahren, beschreibt der Ratgeber Trockeneis richtig lagern.
Häufige Fragen
Ist Trockeneis im Kofferraum sicherer als auf dem Beifahrersitz?
Nicht wesentlich. Laut DGUV können handelsübliche Pkw das Eindringen von CO₂ aus dem Kofferraum in den Fahrgastraum in der Regel nicht verhindern – das gilt auch für Kombis und SUV. Der Fahrgastraum ist der riskanteste Ort, der Kofferraum ist aber keine sichere Alternative.
Woran merke ich, dass zu viel CO₂ im Auto ist?
CO₂ ist farb- und geruchlos, Sie bemerken es also nicht direkt. Das BfR nennt als Anzeichen unter anderem Kopfschmerzen, Schwindel, Kurzatmigkeit und Herzrasen. Treten solche Beschwerden auf, sofort sicher anhalten, aussteigen und an die frische Luft gehen; bei Bewusstseinsstörungen den Notruf 112 wählen.
Darf ich Trockeneis in einem Transporter mit Trennwand fahren?
Fahrzeuge mit baulich getrenntem Fahrerhaus und Laderaum nennt die DGUV als geeignet. Hat die Trennwand einen Durchgang zum Laderaum, sind laut DGUV zusätzliche Maßnahmen wie eine aktive Lüftung des Ladeabteils nötig. Den Laderaum vor dem Betreten gründlich lüften.
Muss ein Fahrzeug mit Trockeneis gekennzeichnet werden?
Nach Gefahrgutrecht (ADR) müssen nicht gut belüftete Fahrzeuge, die Trockeneis zu Kühlzwecken befördern, mit einem Warnkennzeichen versehen werden; das BfR und die DGUV weisen darauf hin. Welche Pflichten im Einzelfall gelten, klären Sie mit Ihrer Gefahrgutberatung.
Trockeneis direkt an den Einsatzort
Thermapack produziert Trockeneis in Wiesmoor und liefert Trockeneis als Pellets und Nuggets in 5 bis 25 kg an Ihre Adresse – so entfällt der Transport im eigenen Pkw. Lieferung zum Wunschtermin ist nach Absprache möglich. Auch eine Abholung in Wiesmoor können Sie mit uns absprechen, dann bitte nur mit einem Fahrzeug mit getrenntem Laderaum. Für gekühlte Ware ohne Tiefkühlbedarf finden Sie Kühlakkus mit Gel- oder Wasserfüllung. Fragen zu Menge und Liefertermin beantworten wir gern über die Kontaktseite.
Weiterlesen im Ratgeber
- Ist Trockeneis gefährlich? Kälte, CO₂ und Schutz
- Trockeneis bestellen: Mengen, Lieferung, Lagerung
- Trockeneis entsorgen: Was mit Resten passiert
Quellen
- DGUV Information 213-115 „Tätigkeiten mit Trockeneis – Herstellung, Lagerung und Verwendung“ (Juni 2023) (abgerufen 13.10.2026)
- DGUV Fachbereich AKTUELL FBHL-017 „Gefährdungen beim Einsatz von Trockeneis als Kühlmittel – Teil 2: Trockeneis beim Transport“ (Stand 11.05.2020) (abgerufen 13.10.2026)
- BfR – Trockeneis: Kohlendioxid-Vergiftungen sind möglich, Stellungnahme Nr. 047/2020 vom 07.10.2020 (abgerufen 13.10.2026)
Stand: Oktober 2026. Angaben ohne Gewähr; maßgeblich sind die jeweils aktuellen Vorschriften.