Strahlmittel im Überblick: Korund, Glas, Schlacke, Eis
Was ein Strahlmittel ausmacht
Die DGUV Regel 100-500 definiert Strahlmittel als körnige Stoffe, die mit hoher Geschwindigkeit auf das Werkstück geleitet werden, um dessen Oberfläche zu bearbeiten. Welches Mittel passt, hängt von vier Eigenschaften ab:
- Kornform: Kantige Körner (englisch Grit) schneiden und rauen auf. Runde Körner (Shot) verdichten eher und erzeugen ein gleichmäßigeres, weniger scharfes Profil. DIN EN ISO 8503 unterscheidet bei der Rauheit gestrahlter Flächen genau nach diesen beiden Formen.
- Härte und Dichte: Harte, schwere Körner tragen mehr ab als leichte, weiche.
- Korngröße: Grobe Körner erzeugen ein raueres Profil, feine ein glatteres.
- Einweg oder Mehrweg: Einwegstrahlmittel werden nach dem Gebrauch entsorgt. Mehrweg- oder Umlaufstrahlmittel werden aufbereitet und erneut verwendet.
Für metallische Strahlmittel gilt die Normenreihe ISO 11124, für nichtmetallische ISO 11126.
Quarzsand: warum er nicht mehr verwendet wird
Der Name Sandstrahlen stammt aus einer Zeit, in der tatsächlich Quarzsand verwendet wurde. Heute ist das verboten. Die BG BAU fasst zusammen: Nur nichtsilikogene Strahlmittel verwenden, der Quarzgehalt muss unter 2 % liegen. Grund ist die Silikose, eine Staublunge, bei der das Lungengewebe durch eingeatmeten Quarzstaub vernarbt. Laut DGUV kann sie auch nach Ende der Tätigkeit fortschreiten. Als silikogen gilt Staub mit kristallinem Siliciumdioxid in den Formen Quarz, Cristobalit oder Tridymit.
Die gängigen Strahlmittel
| Strahlmittel | Eigenschaften | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Korund (Aluminiumoxid) | sehr hart, kantig, nichtmetallisch | Aufrauen, Entfernen hartnäckiger Schichten, auch Sweepstrahlen |
| Schlacken (z. B. Schmelzkammer-, Kupferhütten-, Hochofenschlacke) | kantig, mineralisch, meist Einwegstrahlmittel | Entrosten und Entschichten größerer Stahlflächen |
| Glasperlen | rund, glatt | Reinigen und Glätten, wenn wenig Abtrag gewünscht ist |
| Glasgranulat / Glasbruch | kantig | Entfernen von Beschichtungen, Sweepstrahlen |
| Stahlguss, Hartguss, Drahtkorn | metallisch, rund oder kantig, Umlaufstrahlmittel | Strahlanlagen mit Aufbereitung, Stahlbau |
| Trockeneis (CO₂-Pellets) | sublimiert, kein Abrasionsprinzip | Reinigung geeigneter Oberflächen |
Die Zuordnung ist eine Orientierung. Welches Mittel für ein Bauteil passt, entscheiden Werkstoff, Schicht, gewünschte Rauheit und das nachfolgende Beschichtungssystem. Ein Beispiel: Die Richtlinie von bauforumstahl nennt für das Sweepstrahlen verzinkter Flächen nichtmetallische Schlacken, Korund, Chromgussgranulat, Glasbruch und Glasperlen.
Schadstoffe im Strahlmittel selbst
Auch ein zulässiges Strahlmittel darf nicht beliebig viele Schwermetalle enthalten. Die DGUV Regel 100-500 begrenzt unter anderem Antimon, Blei, Cadmium, Zinn, Arsen, Beryllium, Chromate, Kobalt und Nickel in der Summe auf 2 Gewichtsprozent, für einzelne besonders kritische Stoffe gelten niedrigere Grenzen. Strahlmittel lassen sich auf solche Inhaltsstoffe prüfen, das Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) hat dafür Zertifikate vergeben. Für Anwender heißt das: Strahlmittel mit Datenblatt und Prüfnachweis verwenden.
Bei Mehrwegstrahlmitteln kommt ein weiterer Punkt hinzu: Werden schadstoffhaltige Altbeschichtungen abgestrahlt, muss die Aufbereitungsanlage laut ZTV-ING die Schadstoffe vom Strahlmittel trennen können.
Trockeneis als Sonderfall
Trockeneis ist festes CO₂. Seine Wirkung beruht laut DGUV Information 213-115 nicht auf Abrasion, sondern auf Kälte und Aufprall: Die Schmutzschicht versprödet und platzt ab. Danach sublimieren die Pellets, gehen also direkt in Gas über. Deshalb bleibt kein Strahlmittel liegen, der gelöste Schmutz aber schon. Für das Aufrauen einer Oberfläche vor dem Beschichten ist Trockeneis nicht gedacht.
So wird das Strahlmittel im Projekt ausgewählt
- Ziel klären: reinigen, Beschichtung entfernen oder eine bestimmte Rauheit für eine neue Beschichtung herstellen.
- Vorgaben sammeln: Vorbereitungsgrad und Rauheit aus dem Datenblatt des Beschichtungsstoffs, falls neu beschichtet wird.
- Untergrund und Schicht prüfen: Werkstoff, Wandstärke, Altbeschichtung und mögliche Schadstoffe.
- Umfeld berücksichtigen: Staub, Abschirmung und Entsorgung unterscheiden sich je nach Strahlmittel.
- Probefläche: Bei Unsicherheit zeigt ein Test an kleiner Fläche, ob Mittel und Einstellung passen.
Häufige Fragen
Warum heißt es Sandstrahlen, wenn kein Sand verwendet wird?
Der Begriff hat sich gehalten, obwohl Quarzsand wegen der Silikosegefahr als Strahlmittel verboten ist. Gemeint ist heute allgemein das abrasive Strahlen mit nichtsilikogenen Mitteln.
Welches Strahlmittel ist das schonendste?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Runde, leichte Mittel wie Glasperlen tragen weniger ab als kantige, harte wie Korund. Druck, Abstand und Korngröße wirken genauso stark. Eine Probefläche schafft Klarheit.
Kann ich im Baumarkt gekauften Sand zum Strahlen verwenden?
Nein, wenn er quarzhaltig ist. Strahlmittel dürfen nach DGUV Regel 100-500 höchstens 2 % freie kristalline Kieselsäure enthalten. Verwenden Sie ausgewiesene Strahlmittel mit Datenblatt.
Welches Strahlmittel setzt Thermapack ein?
Das stimmen wir projektbezogen auf Material, Aufgabe und gewünschte Rauheit ab; dafür stehen verschiedene Strahlmittel zur Verfügung. Beim Trockeneisstrahlen verwenden wir Pellets aus eigener Herstellung.
Strahlmittel passend zum Projekt
Thermapack führt mobiles Sandstrahlen mit verschiedenen Strahlmitteln je nach Material und Zielrauheit sowie mobiles Trockeneisstrahlen mit Pellets aus eigener Herstellung direkt vor Ort aus. Wer selbst mit Trockeneis strahlt, findet Trockeneis-Pellets 3 mm in unserem Shop. Einen Vergleich beider Verfahren bietet Trockeneisstrahlen oder Sandstrahlen.
Weiterlesen im Ratgeber
- Brandschaden mit Trockeneis reinigen: Ablauf und Grenzen
- Entlacken: alte Beschichtungen sicher entfernen
- Fassade und Graffiti: Trockeneis oder Sandstrahlen?
Quellen
- DGUV Regel 100-500, Kapitel 2.24 „Arbeiten mit Strahlgeräten (Strahlarbeiten)“ (April 2008, Bereitstellung BG ETEM)
- BG BAU, Baustein C 401 „Strahlarbeiten“ (Stand 07/2021)
- bauforumstahl, Stahlbau Arbeitshilfe 1.2 „Oberflächenvorbereitung – Korrosionsschutz“ (5. überarb. Auflage 11/01)
- bauforumstahl, Richtlinie BFS-RL 02-102 „Korrosionsschutz von tragenden Stahlbauteilen durch Beschichtungssysteme in atmosphärischen Umgebungsbedingungen“ (August 2020)
- DGUV Staub-Info, „Silikose“
- DGUV Fachbereich Holz und Metall, Themenfeld „Strahlarbeiten“
- BMDV, ZTV-ING Teil 4 Abschnitt 3 „Korrosionsschutz von Stahlbauten“ (Stand 2024/08), notifizierte Fassung im EU-TRIS
- DGUV Information 213-115 „Tätigkeiten mit Trockeneis – Herstellung, Lagerung und Verwendung“ (Juni 2023)
Stand: Oktober 2026. Angaben ohne Gewähr; maßgeblich sind die jeweils aktuellen Vorschriften.