Wie viele Kühlakkus pro Paket?
Die Einflussgrößen
- Versanddauer: Je länger das Paket unterwegs ist, desto mehr Wärme dringt ein. Rechnen Sie Verzögerungen ein, etwa ein Wochenende oder einen zweiten Zustellversuch.
- Außentemperatur: Im Sommer strömt deutlich mehr Wärme in das Paket als im Winter. Planen Sie für die wärmste realistische Situation.
- Isolierung: Material und Wandstärke der Isolierverpackung bestimmen, wie schnell Wärme eindringt.
- Paketgröße und Füllgrad: Eine größere Box hat mehr Oberfläche, über die Wärme eindringen kann. Leere Hohlräume sollten gefüllt werden.
- Temperatur der Ware: Ware, die wärmer eingepackt wird, als sie ankommen soll, muss erst abgekühlt werden. Das verbraucht Kältevorrat, der später fehlt.
- Zieltemperatur: Ob die Ware unter 4 °C oder unter 8 °C bleiben soll, verändert die Laufzeit derselben Packung deutlich.
Die Rechenlogik: eine Energiebilanz
Ein Kühlakku speichert Kälte vor allem über die Schmelzwärme: Damit ein Kilogramm Eis schmilzt, muss es rund 334 kJ Wärme aufnehmen, und seine Temperatur bleibt dabei bei 0 °C. Hinzu kommt ein kleinerer Anteil, weil das Eis aus dem Gefriergerät kälter als 0 °C ist und sich zunächst erwärmt. Für Eis liegt die spezifische Wärmekapazität bei rund 2 kJ je Kilogramm und Grad.
Die Bilanz lautet vereinfacht:
Kältevorrat aller Akkus ≥ Wärmeeintrag pro Stunde × Versanddauer in Stunden + Wärme aus der Ware + Reserve
Der Kältevorrat lässt sich gut berechnen. Der Wärmeeintrag dagegen hängt von Ihrer Verpackung und den Bedingungen unterwegs ab und ist in der Regel nicht bekannt. Genau deshalb führt an einer Messung kein Weg vorbei.
Vereinfachtes Rechenbeispiel
Das folgende Beispiel zeigt nur das Prinzip. Es beruht auf einer angenommenen Zahl und ersetzt keine Prüfung Ihrer eigenen Verpackung.
- Kältevorrat eines 500-g-Wasser-Akkus: Erwärmen von −18 °C auf 0 °C: 0,5 kg × 2 kJ/(kg·K) × 18 K ≈ 18 kJ. Schmelzen: 0,5 kg × 334 kJ/kg = 167 kJ. Zusammen rund 185 kJ.
- Angenommener Wärmeeintrag: Wir nehmen für eine bestimmte Box an, dass im Mittel 4 Watt Wärme eindringen. Diese Zahl ist frei gewählt. 4 Watt entsprechen 4 J pro Sekunde, also 14,4 kJ pro Stunde.
- Versanddauer mit Reserve: geplant 24 Stunden, plus 12 Stunden Puffer = 36 Stunden. Wärmeeintrag: 36 × 14,4 kJ ≈ 518 kJ.
- Ergebnis: 518 kJ ÷ 185 kJ ≈ 2,8. Rechnerisch wären also drei Akkus nötig.
In der Praxis reicht diese Mindestzahl selten. Die Akkus schmelzen nicht gleichmäßig, die Ware an der warmen Seite erwärmt sich früher, und warm eingepackte Ware ist im Beispiel noch gar nicht berücksichtigt. Runden Sie deshalb großzügig auf und prüfen Sie das Ergebnis im Versandtest.
Anhaltspunkte aus Laufzeittabellen
Hersteller von Isolierverpackungen geben häufig Laufzeiten für eine bestimmte Bestückung an. Auf der Produktseite der INNOBOX nennt Thermapack zum Beispiel für die 20-Liter-Box mit sechs Kühlelementen à 500 Gramm eine Laufzeit von 25:10 Stunden unter 4 °C und 44:15 Stunden unter 8 °C. Die Prüfbedingungen, etwa die Außentemperatur, sind dort nicht angegeben. Solche Werte zeigen die Größenordnung, gelten aber nur für genau diese Kombination. Sie zeigen außerdem, wie stark die Zieltemperatur die Laufzeit verändert.
Die Menge im Probeversand bestätigen
Die WHO empfiehlt beim Transport mit passiven Kühlbehältern, die Laufzeit mit einer ausreichenden Sicherheitsreserve für Verzögerungen zu planen und Transportwege mit Temperaturmessungen zu prüfen. Für Ihren Versand bedeutet das:
- Packen Sie eine Testsendung genau so, wie sie später verschickt wird, mit echter oder vergleichbarer Ware.
- Legen Sie einen Temperaturdatenlogger in die Mitte der Ware. Er zeichnet den Temperaturverlauf über die gesamte Strecke auf.
- Testen Sie unter ungünstigen Bedingungen, etwa an einem warmen Tag oder mit einer Sendung, die länger unterwegs ist.
- Passen Sie Akkuzahl, Akkugröße oder Verpackung an, bis die Zieltemperatur mit Reserve gehalten wird.
Zusätzliche Tipps
- Kühlen Sie die Ware vor dem Verpacken auf ihre Zieltemperatur herunter.
- Frieren Sie die Akkus vollständig durch, sonst steht nicht der ganze Kältevorrat zur Verfügung.
- Verschicken Sie gekühlte Ware möglichst zu Wochenbeginn. Die Utah State University rät, Pakete nicht am Wochenende in Lager- oder Postzentren liegen zu lassen.
- Mehrere kleinere Akkus lassen sich leichter um die Ware verteilen als ein großer.
Häufige Fragen
Gibt es eine Faustregel wie „ein Kühlakku pro Liter“?
Eine belastbare Faustregel gibt es nicht, weil Isolierung, Außentemperatur und Versanddauer die Menge stark verändern. Nutzen Sie Laufzeitangaben der Verpackung als Startpunkt und bestätigen Sie die Menge im Probeversand.
Sind mehr Kühlakkus grundsätzlich besser?
Mehr Akkus bedeuten mehr Kältevorrat, aber auch mehr Gewicht und weniger Platz für Ware. Bei gekühlter Ware steigt außerdem das Risiko, dass empfindliche Produkte an gefrorenen Akkus anfrieren. Ziel ist die kleinste Menge, die Ihre Zieltemperatur mit Reserve sicher hält.
Brauche ich im Winter weniger Kühlakkus?
Häufig ja, weil weniger Wärme in das Paket eindringt. Testen Sie die reduzierte Menge aber vorher. Bei Frost kann sich zudem das Risiko verschieben: Dann droht eher, dass gekühlte Ware zu kalt wird.
Zählt der Gel- oder Wasser-Akku gleich viel?
Bei wasserbasierten Füllungen stammt der Kältevorrat in beiden Fällen im Wesentlichen aus dem Schmelzen von Wasser. Weicht der Schmelzpunkt eines Gels deutlich von 0 °C ab, verhält es sich anders. Prüfen Sie die Wirkung deshalb im Probeversand.
Kühlakkus und Isolierverpackungen von Thermapack
Thermapack führt Kühlakkus mit Gel- oder Wasserfüllung von 200 bis 680 Gramm, damit Sie die Kältemenge fein abstufen können. Die passenden Isolierboxen und Isoliertaschen finden Sie ebenfalls im Shop. Für die Abstimmung von Akkuzahl und Verpackung erreichen Sie uns über die Kontaktseite.
Zum Herunterladen: Packanleitung Kühl- und Tiefkühlversand (PDF, 1 Seite)
Weiterlesen im Ratgeber
- Kühlakkus richtig im Paket platzieren
- Dürfen Kühlakkus Lebensmittel berühren?
- Kühlakkus richtig vorfrieren: So geht es
Quellen
- Duden Learnattack / Lernhelfer – Schülerlexikon Physik: Schmelzen und Erstarren (abgerufen 13.10.2026)
- chemie.de Lexikon – Wasser (Stoffdaten) (abgerufen 13.10.2026)
- Thermapack – Isolierbox INNOBOX (Produktseite, Tabelle „Laufzeiten mit entsprechender Kühlmittelbestückung“) (abgerufen 13.10.2026)
- WHO Vaccine Management Handbook, Modul VMH-E7-02.1 „How to use passive containers and coolant-packs for vaccine transport and outreach operations“ (WHO/IVB/15.03, Juli 2015) (abgerufen 13.10.2026)
- CDC – Packing Vaccines for Transport during Emergencies (CS249275-I, August 2015) (abgerufen 13.10.2026)
- Utah State University Extension – Mail Order Food Safety (B. Nummer, 11.11.2011) (abgerufen 13.10.2026)
- Thermapack – Kühlakkus mit Gelfüllung (Produktseite) (abgerufen 13.10.2026)
Stand: Oktober 2026. Angaben ohne Gewähr; maßgeblich sind die jeweils aktuellen Vorschriften.